Mit dem Rad zur Arbeit-reloaded

Alina mit Sohn Henry
Alina mit Sohn Henry


Vor genau 5 Jahren berichtete ich an dieser Stelle von meinen Erfahrungen als Radfahrerin im täglichen Großstadtwahnsinn. Mich haben zahlreiche besorgte Rufe nach einem Lebenszeichen erreicht, weshalb ich euch heute erzählen will, was sich neben eher unwichtigen globalen Themen (Donald Trump, Heidi & die Kaulitz-Brüder,…) bei mir so ereignet hat...

 

Durch das Elbe-Hochwasser 2013 wurden meine Pläne, den Elbe-Radweg von Hamburg nach Dresden abzufahren, leider durchkreuzt.



Die nächsten 4 Jahre verbrachte ich stattdessen damit, den jüngsten Spross unserer Radfahrmilie soweit zu mobilisieren, dass er nun mit mir mitfahren kann, zumindest theoretisch. Ein langer Weg vom ersten Bobbycar, über diverse Pukys, Fahrradanhänger und Gepäckträgersitz, so radelt ab sofort häufig ein kleiner, furchtloser Pirat mit Piratenflagge hinter mir her. Zumindest versucht er es, denn Mama ist nun auf E-Bike umgestiegen. 


Als Mutter ändern sich halt die Prioritäten und vor allem die Anforderungen des neuen Chefs im Hause an das Gefährt den15 Kilo-Zögling (eingeschlafen auf dem Gepäckträger) samt Kita-Basteleien und Wochenendeinkauf, schleppt man nur einmal ohne Elektroantrieb bergauf nach Hause. Und während man dann so wie ein Packesel schwitzt, kann man sich überlegen, ob man fortan jeden noch so kurzen Weg mit dem Auto absolvieren will und das Fahrrad im Keller verstaubt oder ob es Alternativen gibt, die einem neben dem Spaß am Rad fahren auch den Alltag erleichtern.

 

Aber auch mein Arbeitsweg hat sich gewandelt. Nachdem wir morgens, meist mit unvermittelten Zwischenhalten („Oh guck‘ mal ein Käfer!“), die Kita erreicht haben, rast die berufstätige Mama neuerdings nicht mehr in den Großstadtkrieg, sondern stadtauswärts (Ich weiß, die Großstädter unter Ihnen wollen das nicht hören) aber diese Luft! Der Sonnenaufgang! Morgennebel! Herrlich. Leider hält dieser Moment der für mich vollkommen neuen Naturverbundenheit nur kurz an, denn nun ja. Mein neuer Arbeitsweg dauert nur noch 10 Minuten. Was nicht heißt, dass ich den Elektroantrieb nicht benötige oder gar nicht zu schätzen wüsste! Nur weil man nicht mehr in die Innenstadt fährt, ist man ja kein neuer Mensch. 


Und auch das Mutterdasein macht einen nicht automatisch zur Mutter Teresa, eher im Gegenteil. Die Wutanafälle eines Kleinkindes muss man ja auch irgendwo weitergeben können, Energie geht halt nie verloren.. Also ziehe ich noch jeden beim Start an der Ampel ab und wettere bei zugeparkten Radwegen oder noch schlimmer verträumten Spaziergängern direkt los. Und das wirkt nun mal wesentlich cooler, wenn man danach raketenartig weiterfährt. Sie wissen, der Abgang ist zur Unterstreichung wichtiger Aussagen enorm wichtig, sonst kann man es auch gleich sein lassen.

 

Neu ist übrigens auch die neue Radführung im Hamburger Stadtgebiet auf den Fahrbahnen. Die Idee dahinter mag irgendeinen Sinn ergeben haben (wer sie kennt, kann dies gern in den Kommentaren schreiben), ich will ja niemandem böse Absichten unterstellen. Ähnlich eigentlich, als würde der Zoodirektor sagen „Wir haben Platzmangel und daher gibt es ab sofort nur noch ein Gehege für Elefanten, Löwen und Pinguine. Was soll schon passieren? Man muss halt aufeinander acht geben.“ Und alle jubeln und klatschen, manche wedeln mit kleinen Fähnchen außer die Pinguine wahrscheinlich, aber wer fragt schon Pinguine in Bezug auf Flächenbedarfsplanung?

 

Sollten Sie also die nächsten 5 Jahre wieder nichts von mir hören, denken Sie daran, wie es den Pinguinen ergangen wäre ;-) Erst einmal wünsche ich aber nun allen Lesern und Leserinnen einen guten Start in die neue Saison und tolle Fahrerlebnisse, sei es nun auf dem täglichen Weg zur Arbeit, bei Tagestrips in der Umgebung oder auf liebevoll geplanten Radreisen. Lassen wir uns überraschen, was der Sommer 2019 uns bringt!